09.02.19 14:00 Uhr - Bürgerzentrum Stuttgart West - Peter Hensinger

Was macht die geplante digitale Schulreform mit unseren Kindern und Lehrern? Hintergründe und Zielsetzungen der "Digitalen Bildung"

Wieder steht eine Umwälzung in KiTa und Schule an: die "Digitale Bildung". Was heißt das?

Das Lernen mit Smartphone, TabletPC und WLAN soll mit Hochdruck durchgesetzt werden. Und das, obwohl alle Schulversuche bisher das Ergebnis hatten: die Digitaltechnik führt nicht zu besserem Lernen. Im Gegenteil: sie schadet unseren Kindern. Warum sie der psychischen Entwicklung und dem Lernen schadet, dazu liegen eine Vielzahl an Forschungsergebnissen vor.

Neurobiologen und Pädagogen warnen: diese Bildungsreform macht unsere Kinder krank. Warum, das wird der Vortrag ausführlich darstellen.

Doch die Erkenntnisse aus Pädagogik, Psychologie und Neurobiologie wollen Kultusministerien und auch die meisten Erziehungsgewerkschaften nicht zur Kenntnis nehmen. Im Gegenteil, sie propagieren, unsere Kinder hätten keine Zukunft, wenn sie nicht schon im Kindergarten programmieren lernen. Auch wenn die Schul-Toiletten und das Lehrerzimmer seit 30 Jahren nicht renoviert wurden, Unterricht ausfällt und Schulbücher Mangelware sind, WLAN muss sein. Ein gemachter Hype verdrängt Nachdenken.  So schreibt die GEW: "Während in der Politik über selbstfahrende Autos debattiert wird, haben viele Schulen nicht mal WLAN ... Im finnischen Tampere unterrichtet ein humanoider Roboter namens Elias Grundschulkinder, in Estland sind seit 1999 alle Schulen ans Internet angeschlossen. Davon kann Deutschland, das schon am Breitbandausbau scheitert, nur träumen (E&W 10/2018:6)." Dieser Traum der GEW vom Unterrichtsroboter kann zum Alptraum werden. Denn geplant ist von der Bildungsindustrie, dass Computer und Schulclouds das Lehren übernehmen. Mit der "Digitalen Bildung" wird geplant, den Lehrer zum Lernbegleiter zu degradieren. Das Einsparpotential wird von US-Bildungskonzernen bereits berechnet: "Auf einen Lehrer bzw. eine Lehrerin sollen bis zu 150 Schüler/innen kommen, bei K12 Inc., dem größten Online-Bildungsanbieter in den USA, sollen es sogar 275 sein. Nehmen wir nur das Verhältnis 1 zu 150, dann werden von 10 Lehrer/innen in der digitalisierten Zukunft des Unterrichts nur noch zwei gebraucht, 80 % sind überflüssig" (Münch, R: Der bildungsindustrielle Komplex, 2018:177). Lehrer sollen durch autonome Digitaltechnik ersetzt und zu Lernbegleitern degradiert werden. Weltweit versucht die Bildungsindustrie in Symbiose mit den Regierungen diese Ökonomisierung der Bildung durchzusetzen.

Frankreich verbietet ab September 2018 private Mobilfunk-Geräte an den Schulen, auch in den Pausen. Das Ziel: Schüler/innen sollen wieder direkt miteinander kommunizieren und sich mehr bewegen. Das sei eine Frage der nationalen Gesundheit, so Minister Blanquer. Im Gegensatz dazu setzt Deutschland auf mehr Digitales im Unterricht und das BMBF fördert z.B. eine Schulcloud mit dem Ziel, dass Algorithmen das Lernen steuern. Ist das das Ziel von „Bildung 4.0“ eine Lernfabrik, in dem PCs über Algorithmen "erziehen"?  Ist das noch Schule? Welche Folgen hat das zunehmend sozial isolierte Arbeiten am Bildschirm für die Einzelnen und für die Gemeinschaft? Welche pädagogischen Vorstellungen bestimmen die "Digitale Bildung"? Und was bedeutet das alles für unsere Kinder? Welche sozialen und psychischen Folgen wird diese Bildungsreform haben? Ist das überhaupt noch Bildung?

Mehr denn je müssen Eltern und Erzieher darüber Bescheid wissen, was geplant wird, um Schaden von unseren Kindern abzuwenden. Eltern haben eine gewichtige Stimme, sie müssen sich in die Bildungspolitik einmischen.

Peter Hensinger, M.A. studierte  Pädagogik, Germanistik und Linguistik, arbeitete in der Psychiatrie. Mitinitiator Bündnis für humane Bildung, Vorstandsmitglied bei diagnose:funk.

Informationen
zur Veranstaltung
keine Anmeldung erforderlich

Eintritt frei

Kontakt
Veranstaltungsort Bürgerzentrum Stuttgart West Bebelstraße 22 70193 Stuttgart Deutschland Website: www.stuttgart.de/item/show/309361/1/dept/147221